Häufig hieß es in der Vergangenheit, die „technische“ Übersetzung sei durchaus von neuesten Technologien bedroht. Die Literaturübersetzung schien bisher davon ausgenommen. Jüngste Entwicklungen stellten aber sogar dies in Frage.
Auf Einladung des Freundeskreises Literaturhaus Heidelberg e.V. trug Oliver Czulo am 2. Juli 2026 im Haus Cajeth zu der Frage vor, ob es angesichts der Entwicklungen bei der KI-Übersetzung überhaupt noch Literaturübersetzer bräuchte (die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete). Trotz warmer Temperaturen war der Vortragssaal im Museum Haus Cajeth sehr gut gefüllt. Oliver Czulo begann mit der Unterscheidung zwischen KI als Technologie und KI als Ideologie. Letztere sei geprägt durch faschistoide Strömungen, die nicht nur menschliche Leistungen abwerte, sondern gar die Unterwerfung von Menschen unter das Diktat der Technologie vorsehe, mit Ausnahme einer kleinen, aristokratischen Schicht. Eine der prägenden Stimmen dieser Ideologie sei der von Tech-Unternehmer Peter Thiel geförderte Blogger Curtis Yarvin. KI als Technologie sei lange von großen Überversprechen geprägt gewesen, allerdings beginne man hier inzwischen in der Breite klarer zu sehen. Der weitere Vortrag ging auf die aktuelle Marktentwicklung im Übersetzen allgemein ein, die davon geprägt sei, dass einige erfahrene Freiberufler den Markt verlassen hätten. Allerdings würden sich jüngere Absolventen auf neue Entwicklungen gut einstellen und weiterhin etablieren – inzwischen häufig im Angestelltenverhältnis.
Im Besonderen aufs Literaturübersetzen eingehend, stellte Oliver Czulo die Frage, wie wichtig der Gesellschaft Sprach- und Kulturmittlungskompetenz und Kreativität seien. Eine Chance des Abflauens des aktuellen KI-Hypes sei, dass die Relevanz menschlicher Kompetenzen wieder stärker ins Blickfeld rücke. Mit diesem vorsichtig positiven Schluss stiegen die versammelten Gäste und der Referent in eine lebhafte Diskussion ein, in der viele der Punkte aus dem Vortrag nochmal aufgegriffen und vertieft wurden. Die Lebendigkeit der Debatte vor Ort zeigte: Diese Diskussion geht weiter!
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